Verlag am Birnbach - Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen

"Viele Freunde unterwegs sind auf gleichen Kurs eingestellt" - 9 Thesen zur Zukunft der Kirche

Wie Kirche Zukunft meistern kann

Die Kirche ist im übertragenen Sinne zwar „im Dorf geblieben“, aber die Menschen sind ausgeschwärmt in eine urbanisierte und globalisierte Welt. Sie haben das Dorf verlassen und ihre Bindung an die Kirche gelockert oder auch ganz gelöst. Die Kirche bleibt aber für viele Menschen ein Teil der eigenen Lebens- und Glaubensgeschichte. [n

III. GEMEINSAM AUF DEM WEG

Geistlich motiviert und von lebendiger Spiritualität geprägt

Die Strahlkraft der Kirche gewinnt Raum im Leben aus Gottes Wort, aus der Gemeinschaft und dem Gebet. Ohne Sammlung keine Sendung!
Gelebte, eigene Spiritualität öffnet Herzen, Sinne und Verstand für die Phantasie Gottes. Spiritualität setzt Kreativität frei. Neue Formen und Gestalten von Kirche und Gemeinde werden möglich. Gemeindekonzeptionen zu entwickeln und dabei nicht nur auf den eigenen Verstand, sondern auf die Wundermacht Gottes zu vertrauen, schafft Räume, von denen wir heute vielleicht noch gar nichts ahnen.

 

IV. GEMEINSAM AUF DEM WEG

Mit intelligenten und leistungsstarken Organisationsstrukturen

Gemeinden müssen sich anders organisieren. Gesamtgemeinden, Verbandsgemeinden, Gemeinschaft von Gemeinden… wie auch immer die neuen Formen heißen werden, sie alle sind geprägt davon, dass der Pfarrdienst neben der Seelsorge und den gottesdienstlichen Aufgaben zunehmend aus Koordinations-, Leitungs- und Schulungsaufgaben besteht.

Die Verwaltungsstruktur muss sich deutlich verschlanken.

„Kirche mit leichtem Gepäck“ ist das „Codewort“ für einen breit angelegten Veränderungsprozess in unserer Landeskirche, an dem viele mitwirken und an dem die Gemeinden beteiligt werden sollen.

 

V. GEMEINSAM AUF DEM WEG

Nah bei den Menschen und ihrer Lebenswelt

Diakonisches Handeln, persönliches Zeugnis, bürgerschaftliches Engagement – Die Beteiligung aller „Glieder der Kirche“, die „aufgrund der Heiligen Taufe berufen sind“, ist wichtig. Wenn Gemeindeglieder sprachfähig in Glaubensdingen sind und in den gesellschaftlichen und politischen Fragen unserer Zeit als Christinnen und Christen erkennbar werden, ist Kirche nah bei den Menschen und in ihrer Lebenswelt.

Funktionale Seelsorge, Notfallseelsorge, Telefonseelsorge, Bildungsarbeit, Kirchenmusik, Kunst und Kultur – Kirche hat Teil am Leben und den Sorgen der Menschen. Lebensklugheit und Glaubenszuversicht verbinden Tradition und Moderne. Kirche wird zur Partnerin moderner Lebensentwürfe.

 

VI. GEMEINSAM AUF DEM WEG

In ökumenischer Weite

In Zeiten abnehmender Kirchlichkeit und schwindender Gemeindegliederzahlen wird Kirche nur erfolgreich sein, wenn sie sich als ökumenische Kirche versteht.

Durch das Vorbild gelingender Ökumene wird die integrative und versöhnende Kraft des christlichen Glaubens erkennbar. Lebensmodelle und Gemeinschaftsformen entwickeln, in denen Einheit in Vielfalt möglich ist – nichts braucht unsere globalisierte Welt nötiger. 

 

VII. GEMEINSAM AUF DEM WEG

Mit Personalmix und Partizipation

Das Priestertum aller Gläubigen stand am Anfang der Geschichte des christlichen Glaubens. Daran werden wir in Zukunft in besonderer Weise anknüpfen können. Es wird vielfach qualifizierte Mitarbeitende im Ehrenamt geben, die von den verbliebenen hauptamtlich Mitarbeitenden zu schulen, zu betreuen und zu begleiten sind.

 

IIIV. GEMEINSAM AUF DEM WEG

Kirche geht digital

Kirche findet statt, wo Menschen Gottes Wort hören, beten und ihr Leben und ihren Glauben miteinander teilen.  Neue Audio- und Videoformate, Videogespräche und Video-Bibelstunden sind ein Weg der Kirche zu den Menschen und der Menschen zur Kirche. In gemeinsam „bespielten“ Videokanälen auf öffentlich leicht zugängigen Portalen gibt es überregionale Angebote digitaler Begegnungs- und Erlebnisräumen, in denen Christus gepredigt wird, sein Wort gelebt und Gemeinschaft erlebt wird. Die Angebote werden sehr vielfältig und den Begabungen sowie Bedürfnissen einzelner angemessen sein. Partizipation und das Teilen von Angeboten und Ideen werden die Menschen in der Kirche näher zusammenbringen. Professionelle Öffentlichkeitsarbeit trägt dazu bei, diese Angebote leicht auffindbar zu machen.

IX. GEMEINSAM AUF DEM WEG

Als Kirche für das Volk

Auch eine kleiner werdende Volkskirche erfüllte den Auftrag, Kirche für das Volk zu sein, zu dem sie gehört.

Christinnen und Christen wirken in ihre Gesellschaften hinein und sind Zeugen für die Liebe Gottes zu allen Menschen. Deshalb wird die Kirche der Zukunft in „die Zusammenarbeit mit anderen sozialen Akteuren der Zivilgesellschaft investieren. Sie wird je und je die Menschen aufsuchen und von ihnen erfragen: „was willst du, das wir dir tun können?“

 

Sei getrost und unverzagt, denn ich der Herr dein Gott bin mit dir in allem, was du tust.“ (Jos. 1,9) Gottes Wort ermutigt loszugehen und das, was getan werden muss, anzupacken. Zugleich erinnert es daran: Du bist nicht allein. Wir sind nicht allein. Viel Freunde sind mit auf dem Weg. Und: Gott ist mit uns auf dem Weg. 

 


Dietrich Denker, Superintendent

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