Verlag am Birnbach - Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen

Kyrie eleison - Gedanken zur Passionszeit von Assessor Ralf Laubert

Und so manche und so mancher von uns gerät ins Zweifeln, ob das wohl wirklich wahr wäre mit unserer Botschaft vom Reich Gottes, vom kommenden Segen und Schalom. Wo ist denn Gott in dieser Katastrophe? Lässt er uns allein?

 

Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn.

Das Passionslied beantwortet die Frage mit einem Gebet: Kyrie eleison, Herr erbarme dich! Schau nicht weg! Sieh auf uns! Verschließe nicht die Augen, wenn wir auf dem Holzweg sind, Sieh, wohin wir gehen, wenn die Welt unserer vermeintlichen Macht entgleitet. Betend erinnern wir Gott an sein Erbarmen, seine Barmherzigkeit, seine Liebe.

 

Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

 

Kyrie eleison, Herr erbarme dich, appelliert an den Gott, dessen Barmherzigkeit und Liebe keine Grenzen kennt. Auch nicht die Grenze des Todes, denn die hat er selbst überwunden.

 

Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht,
ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht.
Kyrie eleison, sieh wohin wir gehn.
Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

 

Das Lied berührt das tiefste Geheimnis unseres christlichen Glaubens: Gott liebt die von ihm geschaffene Welt so sehr, dass er nicht nur Mensch, einer von uns wird, sondern dass er sich dem Fluch des Bösen preisgibt, ja diesen Fluch und seine Macht auf sich nimmt. Gott nimmt den Fluch auf sich. Für uns Menschen bleibt allein sein Segen!

Das, was uns plagt, erkennen wir wieder als das harte Holz auf Jesu Schulter. Und mit dem Kreuz Jesu verwandelt sich unser Leid in Leben, schwer von Früchten. Diese Botschaft kann man sich nicht selber sagen, die muss man hören, gesungen oder gesprochen. Lassen wir gerade in dieser von Corona geprägten Passionszeit miteinander reden von unserer Hoffnung auf den Sieg des Lebens und von der grenzenlosen Barmherzigkeit unseres Gottes. Lassen wir unseren Glauben im Handeln für die Familien der Verstorbenen, für die Kranken und Verzweifelten fruchtbar werden. Und lassen wir ohne Unterlass füreinander beten:

 

Kyrie eleison, sieh wohin wir gehen, ruf uns aus den Toten lass uns auferstehn!

 

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