Verlag am Birnbach - Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen

Der Kirchenkreis trauert um Alt-Superintendent Jürgen Keuper

Sein Herz schlug für die Diakonie, in diesem Bereich übernahm der Kirchenkreis unter seiner Ägide neue Aufgaben.  Die Erwachsenenbildung kam als Angebot des Kirchenkreises ebenso hinzu wie eine zweite Jugendreferentenstelle. Im Gedächtnis bleibt auch sein Umgang mit den Mitarbeitenden. „Er hat sie stets ermutigt und gefördert, ihnen sehr viel Freiraum gelassen und sie gestärkt“, erinnert sich Ute Dornbach-Nensel, die lange Zeit mit ihm zusammenarbeitete.

Von besonderer Bedeutung war für ihn  die Partnerschaftsarbeit, aus der dauerhafte Beziehungen zu evangelischen Gemeinden in aller Welt hervorgingen. Die noch heute gepflegte Partnerschaft zur evangelischen Kirche in Nias (Indonesien) ist in dieser Zeit entstanden.

Ebenso wichtig war ihm, der als erster Superintendent aus dem östlichen Teil des Kirchenkreises stammte,  die Gemeinschaft innerhalb der Region. Während seiner Amtszeit  wurden mehrere Teilungsdiskussionen geführt, schließlich aber mit der Umbenennung des Kirchenkreises in „Kirchenkreis Gladbach-Neuss“ beendet.

Im Blick auf die Problematik des fortschreitenden Braunkohletagebaus gehörte er zu denen, die sehr deutlich eine kritische Position einnahmen.  „Er verwies darauf, dass der Braunkohletagebau energiepolitisch nicht notwendig, ökologisch prekär und daher ein Verlust von Heimat nicht zu rechtfertigen sei“, erklärt Werner Ulrich, sein langjähriger Weggefährte.  An der Bildung der „Regionalsynode Energie“ zusammen mit den Anrainer-Kirchenkreisen des Braunkohletagebaugebietes war Superintendent Keuper maßgeblich mitbeteiligt. Auch bei der Frage der Atomwaffen, die im Zusammenhang mit dem Nato-Doppelbeschluss in den 1980er Jahren sehr kontrovers diskutiert wurde, bezog er entschieden Stellung.

Pfarrer Jürgen Keuper hat tiefe und nachhaltige Spuren im Kirchenkreis hinterlassen. „Er war ein feinsinniger, sehr kluger Mensch, der es verstanden hat, Menschen seelsorglich zu begleiten und ihnen dabei auch immer Perspektiven für die Zukunft mitzugeben“, sagt Superintendent Dietrich Denker in Würdigung seines Vor-Vorgängers. „Aus eigener Erfahrung wusste er nach schwerer Krankheit, dass jeder Tag des Lebens, an dem man sein Tagwerk vollbringen kann, ein wertvolles Gottesgeschenk ist. Das machte ihn zu einem verständnisvollen Seelsorger und Ratgeber. So habe ich ihn auch selbst kennengelernt.“

Aus den vielen Begegnungen mit den zu seiner Amtszeit damals zahlreichen jungen Pfarrerinnen und Pfarrern, die er zu einem großen Teil im Kirchenkreis dann auch selbst ordiniert und in den Pfarrdienst eingeführt hat, nahm er  bei seinem Wechsel in den Ruhestand mit: "Da sind so viele gute Seelsorgerinnen und Seelsorger unterwegs, um die Zukunft unserer Kirche muss ich mir keine Sorgen machen."
Das Vertrauen in das Wirken des Geistes Gottes in den Menschen, die ehren-,  neben- und hauptamtlich in seiner Kirche Dienst tun, hat ihm bis zuletzt zu einen Menschen gemacht, der von Gottvertrauen, Hoffnung und Zuversicht getragen war und diese weitergeben hat.

Pfarrer i. R. Jürgen Keuper verstarb am 18. März 2021 im Alter von 82 Jahren. „ Getragen von der Hoffnung auf Auferstehung und ewiges Leben sind wir dankbar für alle Saat, die er ausgesät hat und die unser Gott hat aufgehen lassen“, sagt Pfarrer Dietrich Denker. „Seine Persönlichkeit wird dem evangelischen Kirchenkreis Gladbach-Neuss fehlen.“

Zurück