Jahreslosung 2019
Gott spricht: Suche Frieden und jage ihm nach.
Psalm 34,15

Sieben Wochen ohne Lügen

"Mal ehrlich! Sieben Wochen ohne Lügen“,

so lautet das Motto der Fastenaktion der Ev. Kirche in Deutschland.

Spontan habe ich mit Empörung auf dieses Motto reagiert und mich gefragt: Und was ist, wenn die sieben Wochen Passionszeit um sind? Darf dann wieder fröhlich weitergelogen werden? Da gibt es doch eines der 10 Gebote: "Du sollst nicht lügen!" Und das gilt an 365 bzw. 366 Tagen im Jahr und nicht nur in den sieben Wochen Aktionszeit?

Sind die Gefälligkeitslügen gemeint, wenn ich gefragt werde, wie das Essen geschmeckt hat, oder wie der neue Anzug dem Kollegen steht? Geht es um den Honig, den man anderen um den Mund schmiert, oder der mir um den Mund geschmiert wird? Geht es womöglich um das, was ich nicht sage bzw. verheimliche, weil ich nicht möchte, dass andere es erfahren oder wissen?

Nach meiner Überzeugung gilt für den ehrlichen Umgang miteinander: Das, was ich für wahr und richtig halte, sollte mit Bedacht gesagt werden. Schließlich möchte auch ich wirklich wissen, ob mir ein Anzug steht oder nicht und ob ich beim Kochen etwas verbessern kann. Und das, was gesagt werden muss und wichtig ist, darf nicht verschwiegen werden. Beides ist für unser Zusammenleben von Bedeutung.

Ich möchte weder gegen meine eigene Überzeugung etwas schönreden, noch Heimlichkeiten das Wort reden. Und ich möchte auch nicht belogen werden. Als Christen können wir uns Aufrichtigkeit leisten und die Wahrheit vertragen. Das Wort von der Vergebung der Schuld und der bedingungslosen Liebe Gottes zu uns Menschen macht uns so frei.

Auch die, die sich an Karneval zu Narren machen, sagen, wenn sie es gut machen, mit Bedacht und Witz viel Wahres in Büttenreden und Mottowagen. So frei sind wir "Narren um Christi willen“, wie Paulus sich und seine Mitstreiter bezeichnet (1. Kor. 4,10), schon lange. Diese Narretei leisten wir uns auch in der Passionszeit.

Sie merken, an der die Fastenaktion 2019 kann ich mich abarbeiten: Gedanklich, theologisch und praktisch.

Ich meine, die Fastenaktion „Mal ehrlich! Sieben Wochen ohne Lügen“ macht nur Sinn, wenn wir sie nicht auf 7 Wochen beschränken, sondern sie zu unserem Lebens- bzw. Glaubensmotto machen.

Es grüßt Sie herzlich,

Ihr Superintendent Dietrich Denker

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Ein Nachschlag, für die, die noch mehr Zeit zum Lesen mitgebracht haben:

Das Gebot lautet wörtlich: „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider Deinen Nächsten.“ Das nach lutherischer Zählung 8. und nach reformierter Zählung 9. Gebot ist sehr verkürzt zitiert, wenn man sagt: „Du sollst nicht lügen!"

Dazu schreibt Martin Luther im kleinen Katechismus: "Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unseren Nächsten nicht belügen, verraten, verleumden oder seinen Ruf verderben, sondern sollen ihn entschuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum Besten kehren."

Und der Heidelberger Katechismus erklärt (Frage 112): "Ich soll gegen niemanden falsch Zeugnis geben, niemandem seine Worte verdrehen, nicht hinter seinem Rücken reden und ihn nicht verleumden. Ich soll niemanden ungehört und leichtfertig verurteilen helfen (…) Vor Gericht und in all meinem Tun soll ich die Wahrheit lieben, sie aufrichtig sagen und bekennen und auch meines Nächsten Ehre und guten Ruf nach Kräften retten und fördern."

Das sind doch klare Ansagen. "Mal ehrlich! Lebenslänglich ohne Lügen“ das ist ein Motto, das mir gefällt und mich herausfordert. Daran arbeite ich mich gerne ab, auch wenn es nicht leicht ist. Da sind die 7 Wochen Aktionszeit zum „Warmlaufen“ ganz hilfreich. Machen Sie mit!?

 

 

 

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