Jahreslosung 2018
Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.
Offenbarung 21,6 (L)

500 + 1 Jahre Reformation - 2018!

„Ich kann nicht anders, hier stehe ich, Gott helfe mir. AMEN.“

So oder so ähnlich lauteten die Worte, die Martin Luther gesagt hat vor dem Reichstag zu Worms. Er konnte seine Schriften nicht widerrufen, denn seine Glaubensüberzeugungen standen fest. Er leistete theologischen Widerstand gegen seine Kirche und stellte sich gegen damals gültiges Kirchenrecht. Weil auch seine Disputationsgegner unverrückbar an ihren Glaubensüberzeugungen festgehalten haben, wurde die bestehende Kirche nicht reformiert. Es kam zur Kirchenspaltung!

Im Jahr 501 nach der Reformation gibt es, wie zu allen Zeiten, Menschen mit sehr unterschiedlichen Überzeugungen. Auch in unserer Kirche.

Widerstand hier, Recht und Ordnung dort.

Am Beispiel der augenblicklichen Situation im Hambacher Forst wird dies sehr deutlich. Die Menschen, die sich für den Klimawandel und den Erhalt der Schöpfung einsetzen, üben zivilen Ungehorsam. Sie besetzen den Wald, Häuser und Bahnschienen. Die Tagebaubetreiber sind der Meinung, dass Recht und Gesetz auf ihrer Seite sind und sie nicht an dem Kohleabbau gehindert werden dürfen. Auch wenn viele tausend Menschen auf beiden Seiten demonstrieren, schaut eine große Mehrheit in unserem Land nur interessiert zu. Sie ergibt sich dem Lauf der Dinge.

Widerstand und Ergebung - das hatten wir schon einmal als seitens des nationalsozialistischen Staates Recht gebrochen und die Würde des Menschen verletzt wurde. Ermächtigungsgesetze, Judengesetze…Am 9.11.2018 finden, wie jedes Jahr, Gedenkfeiern statt, die an die Schuld unseres Volkes besonders gegenüber den Juden erinnern.

Was für Gesetze sind es wohl, die eine AfD-Regierung in der Migrations- und Flüchtlingspolitik erlassen würde…. Wir wissen es nicht. Würden wir uns ergeben in unrechtes Recht oder Widerstand leisten?

In unserem Land können durch Recht und Gesetz Gerichte Rodungsarbeiten vorläufigem Einhalt gebieten. In Asylrechtsentscheiden z.B. in Fällen von Kirchenasylen gewähren sie Bleiberechte um der Menschen willen.  Darauf zu achten, dass es so bleibt, ist wichtig.

Doch wieviel Widerstand und Bekennermut brauchen wir heute? Wo besteht die Gefahr sich in falscher Ergebung still zu halten? Das sind keine leicht zu entscheidenden Fragen.

Mir ist wichtig: Es darf nicht zur Bedrohung menschlichen Lebens kommen. Gewaltverzicht ist und bleibt Grundvoraussetzung demokratischen Handelns. Es darf nicht sein, dass sich Mitarbeitende von RWE, Umweltaktivisten, Migranten und Flüchtlinge an Leib und Leben bedroht fühlen. Nur in dem sehr engen gesetzlichen Rahmen darf zum Schutz der Gesellschaft seitens der Polizei Gewalt ausgeübt werden. 

500+1 Reformationsfest 2018

Auch in unserer Zeit bezeugen wir Gottes bedingungslose Liebe zur Welt und allen Menschen. Wir tragen das Evangelium von Jesus Christus in die Welt. Zusammen mit allen Christen bezeugen wir in ökumenischer Verantwortung unseren Glauben in Worten und Taten. So soll es sein. So muss es bleiben.

Dazu gehört für mich unverzichtbar hinzu: Der verantwortungsvolle Umgang mit der Schöpfung, die menschenwürdige Behandlung von Flüchtlingen und Migranten, Gewaltverzicht in den Auseinandersetzungen über politische und ethische Streitfragen, der respektvolle Umgang mit politischen Gegnern und das Eintreten für Frieden zwischen Menschen und Völkern.

Mit herzlichen Grüßen zum Reformationstag 2018

Ihr

Dietrich Denker

Zurück